Wie diese Seite entstanden ist

Angefangen hat es mit einem Ärgernis: Ich wusste ständig, dass ich etwas schon einmal gelesen hatte – und fand es nicht wieder. Notizen lagen in Dateien, Erkenntnisse in Chatverläufen, Befunde in Ordnern, die niemand je wieder öffnet.
Das System dahinter¶
Also habe ich mir ein Wissenssystem gebaut, das seit Mai 2026 auf meinem eigenen Rechner läuft – die Modelle, die darin lesen und verdichten, ebenfalls. Es hat drei Teile.
Ein Gedächtnis, in dem jede Notiz mit Datum, Quelle und der Begründung liegt, warum sie aufbewahrt wird. Ein Befund von vor einem halben Jahr wird nicht gelöscht, er wird datiert.
Ein Radar, das einmal pro Woche sichtet, was in der KI-Forschung erschienen ist, und jede Arbeit gegen eine einzige Frage prüft: Lässt sich damit an meinem eigenen Aufbau etwas verbessern? Was durchfällt, wird mit Begründung protokolliert statt verworfen.
Und ein Fehlergedächtnis: Korrigiere ich einen Irrtum, wird die Korrektur festgehalten – nicht als Beschwerde, sondern als Muster. Aus wiederkehrenden Korrekturen entstehen Regeln, die beim nächsten Mal vorliegen. Das war der mühsamste Teil und der, der am meisten verändert hat.
Wozu dann noch eine Website¶
Weil dieses System eine Schwäche hat: Man kann es abfragen, aber nicht darin lesen. Es antwortet auf Fragen, die ich stelle – es erzählt mir nichts, an das ich gerade nicht denke.
Dazu kommt der Ausschuss. Der Filter fragt ist es anwendbar, und die meisten Arbeiten sind es nicht: falsche Domäne, kein Hebel, zu spezielles Modell. Eine Untersuchung darüber, ob Videomodelle wissen, dass Dinge weiterexistieren, wenn die Kamera weggeschaut hat, hilft mir bei nichts – und ist einer der Texte, die mir hier am liebsten sind. Genau dieser Ausschuss ist der Vorrat dieser Seite.
Was hier steht¶
Jeder Text ist eine Notiz zu genau einer Arbeit aus der KI-Forschung: was gefunden wurde, unter welchen Bedingungen es gilt, und – in einem eigenen Abschnitt – was dagegen spricht. Die Überschrift ist ein Aussagesatz, keine Schlagzeile: Sie sagt, was die Arbeit zeigt, nicht, wie aufregend sie ist. Am Ende jeder Notiz stehen die Quelle mit Link und ein Kasten, der ausweist, wie der Text geprüft wurde.
Bevorzugt werden Arbeiten, die etwas belegen oder zu Fall bringen: kontrollierte Studien, Replikationen und Widerlegungen, Methodenkritik, Unmöglichkeitsresultate. Ankündigungen, Produktvergleiche und Ausblicke finden hier nicht statt – nicht aus Verachtung, sondern weil sie verfallen, bevor der Staub sich legt.
Das ist auch der Grund, warum diese Seite ein Archiv ist und kein Nachrichtenstrom: Es gibt keine Eilmeldungen und keinen Takt, dem die Texte hinterherlaufen müssten. Neues kommt dazu, wenn es den Filter übersteht – Altes bleibt stehen, wird bei Bedarf datiert nachgetragen und soll auch in drei Jahren noch nachschlagbar sein.
Wie ausgewählt wird¶
Über den Ausschuss läuft ein zweites Sieb, und es fragt nur eines: Lohnt es sich, diesen Text in drei Jahren noch nachzuschlagen? Das trifft Arbeiten über Eigenschaften, nicht über Produkte – „wie gut ist Modell X" verfällt mit Modell X, „wie verhält sich Aufmerksamkeit über lange Kontexte" nicht.
Eine Einschränkung bleibt. Der Stapel, aus dem hier gewählt wird, ist selbst schon vorsortiert – nach Kriterien, die mit dieser Seite nichts zu tun haben. Was gar nicht erst auf dem Stapel liegt, kann auch nicht ausgewählt werden, und niemand sieht, was dabei fehlt.
Kippt ein Befund später – durch eine neue Fassung der Arbeit, eine Widerlegung, eine Gegenstudie –, bekommt der Artikel einen datierten Nachtrag. Der ursprüngliche Text bleibt unangetastet: Ein Text, der sichtbar überholt wurde, ist ehrlicher als einer, der sich still ändert.
Wer hier schreibt – und wer verantwortet¶
Die Texte dieser Seite werden von Sprachmodellen geschrieben und von Sprachmodellen aus drei verschiedenen Häusern gegen die Volltexte der Quellen gegengelesen. Ausgewählt, entschieden und verantwortet wird von einem Menschen: Ich wähle die Arbeiten aus, ich entscheide jeden gemeldeten Prüfbefund gegen die zitierte Fundstelle, und was live geht, geht auf meinen Namen.
Das steht hier so deutlich, weil das Gegenteil üblich geworden ist. Maschinentext ohne Kennzeichnung füllt das Netz; diese Seite geht den anderen Weg und legt auch die unbequemen Zahlen offen – die erste systematische Prüfung fand in jedem einzelnen der damaligen Artikel Fehler. Was seitdem dagegen gebaut wurde, welche Fehlerquoten die Prüfung misst und wo ihre Grenzen liegen, steht auf einer eigenen Seite – sie ist die wichtigste dieses Projekts.
Was diese Seite nicht ist¶
Hier gibt es keine Werbung, keine Bezahlschranke, kein Sponsoring und keine Affiliate-Links. Die Seite verkauft nichts und empfiehlt keine Produkte. Sie ist ein privates Projekt und trägt sich selbst – was hier steht, steht hier, weil es die Siebe überstanden hat, nicht weil jemand dafür bezahlt hätte.
Weiterverwendung¶
Die Texte dieser Seite stehen unter CC BY 4.0. Übernehmen, kürzen, zitieren, in einem Newsletter weiterverwenden – alles erlaubt, auch kommerziell, solange die Quelle genannt und auf den Text verlinkt wird. Fragen muss dafür niemand. Das gilt für die Texte, nicht für die Bilder: Die sind maschinell erzeugt, und an einem Bild ohne menschliche Gestaltungshöhe lassen sich keine Rechte vergeben, die man womöglich selbst nicht hat.
Eine Bitte, kein Vorbehalt: Wer einen Befund übernimmt, sollte den Abschnitt „Was dagegen spricht" mitnehmen oder wenigstens erwähnen. Ein Befund ohne seinen Einwand ist die halbe Auskunft, und meistens die falsche Hälfte.
Was mit den Adressen ist¶
Ein Link, der nach zwei Jahren ins Leere führt, ist der Normalfall im Netz – meist nicht aus Böswilligkeit, sondern weil ein Text eine neue Überschrift bekommt und daraus eine neue Adresse entsteht. Hier bleibt die alte gültig und führt weiter zum selben Text.
